Beglaubigte Übersetzung in der Schweiz: Muster und Zuständigkeiten

Die Schweiz fällt aus dem Rahmen der EU-Nachbarn: Einen bundesweit geregelten vereidigten Übersetzer gibt es nicht. Beglaubigt wird trotzdem — nur anders.

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Wer beglaubigt — und was genau

Einen bundesweit geregelten Beruf des vereidigten Übersetzers gibt es in der Schweiz nicht; Genf regelt ihn in einem eigenen kantonalen Gesetz. Im Kanton Zürich etwa sind Übersetzungen keine amtlichen Dokumente, und weder die amtlichen Beglaubigungsstellen noch die Staatskanzlei beglaubigen Inhalte von Übersetzungen. Beglaubigen lässt sich die UNTERSCHRIFT der übersetzenden Person.

Der Unterschied ist wesentlich: Beglaubigt wird nicht die Richtigkeit der Übersetzung, sondern die Unterschrift. Für die inhaltliche Richtigkeit stehen Sie selbst ein — genau darum enthält Ihre Übersetzung eine eigene Bestätigung.

Formulieren Sie Ihre Bestätigung entsprechend zurückhaltend: Nennen Sie sich nicht «vereidigt» oder «staatlich bestellt», wenn Sie es in Ihrem Kanton nicht sind. Prüfen Sie das kantonale Recht, bevor Sie einen Titel führen.

Ein Muster für die Bestätigung

Das Folgende ist ein Vorschlag, kein Pflichttext. Er sagt genau das, wofür Sie einstehen können:

Hiermit bestätige ich die Richtigkeit und Vollständigkeit der vorstehenden Übersetzung gemäss dem mir …… vorgelegten Dokument.

Ergänzen Sie Ort und Datum, Ihren Namen und Ihre Sprachkombination. Beachten Sie die Schweizer Schreibweise: «gemäss», nicht «gemäß» — das Eszett wird in der Schweiz nicht verwendet, und in einem beglaubigten Dokument fällt es auf.

Lag Ihnen kein Original vor, halten Sie das fest. Der Vermerk soll nicht mehr behaupten, als Sie geprüft haben.

Genf: hier gilt ein eigenes Gesetz

Genf regelt den Beruf im Loi sur les traducteurs-jurés. Wer den Titel führen und die Tätigkeit ausüben will, muss «assermentées par le Conseil d’Etat» sein — vom Staatsrat vereidigt.

Nach der Vereidigung erhalten die traducteurs-jurés ein Siegel «comportant leur nom, prénom, qualité, ainsi que les armoiries du canton» — mit dem Kantonswappen. Endet die Bewilligung, ist das Siegel zurückzugeben.

Die Formvorschriften gehen weiter als anderswo: Auf JEDER Seite sind Siegel und Paraphe anzubringen, und die letzte Seite muss Siegel sowie die «signature complète et originale» tragen. Eine bloss am Ende unterschriebene Übersetzung genügt in Genf also nicht.

Ebenfalls streng: Übersetzungen amtlicher Dokumente dürfen nur «à partir de pièces originales ou de copies certifiées conformes par un officier public suisse» angefertigt werden — aus dem Original oder aus einer von einer schweizerischen Urkundsperson beglaubigten Kopie. Eine einfache Fotokopie reicht nicht.

Und das Siegel darf nur für die Sprachkombinationen verwendet werden, für die Sie vereidigt sind. Das Ausführungsreglement schreibt im Übrigen keinen Wortlaut der Beglaubigungsformel vor.

Überbeglaubigung und Apostille

Von der Beglaubigung zu trennen ist die Apostille für die Verwendung im Ausland. Auf Schweizer öffentlichen Urkunden bringen sie die für Beglaubigungen zuständige kantonale Behörde und die Bundeskanzlei in Bern an; im Kanton Zürich ist es die Staatskanzlei.

Die Reihenfolge ist damit vorgegeben: zuerst die notarielle Beglaubigung Ihrer Unterschrift, danach — falls das Zielland es verlangt — die Apostille der Staatskanzlei auf dieser Beglaubigung.

Der Vergleich mit den Nachbarn

Wer für mehrere Märkte arbeitet, sollte die Modelle auseinanderhalten — etwa die Pflichtangaben nach österreichischem Recht:

Zum Vergleich: die Pflichtangaben nach österreichischem Recht

Wo Lingverra ins Spiel kommt

Lingverra kennt das Schweizer Profil samt Schreibweise mit «ss»: Der Vermerk steht schon unter der Übersetzung — mit der Angabe, ob Original, beglaubigte Abschrift, Kopie oder Scan vorlag, mit Hinweis auf eine Teilübersetzung, mit Ort und Datum. Sie können den Text für jedes Dokument anpassen. Layout, Stempelwiedergabe und Transliteration laufen mit, unsichere Stellen werden markiert.

Der Gang zum Notariat bleibt Ihnen — er ist an Ihre Person gebunden und lässt sich nicht automatisieren.

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